Kamtschatka :: 3 Wochen unterwegs in Fernost

Von Christian

 

Diesen Sommer war ich das zweite Mal in Kamtschatka. Schon 2009 hatte die Halbinsel ganz im fernen Osten Russlands einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und ich wusste, dass ich dort noch einmal hinfahren werde. Dieses Jahr war es dann wieder so weit. Auf dem Programm standen eine Bootsexkursion auf den Pazifik, ein zweitägiger Ausflug in den Süden Kamtschatkas zu den aktiven Vulkanen Gorely und Mutnovsky und ein zweiwöchiger Aufenthalt im Kronotsky-Reservat mit einer längeren Trekkingtour über knapp eine Woche.

 

Der Kronotsky-Vulkan über den Wolken im Abendlicht
Der Kronotsky-Vulkan über den Wolken im Abendlicht

 

Bis 1990 war Kamtschatka militärisches Sperrgebiet und nicht für Touristen zugänglich. Heute leben weniger als 400.000 Menschen auf der Halbinsel, einer Fläche, größer als Deutschland. Die Natur ist ein weiten Teilen des Landes unberührt geblieben. Viele Tiere abseits der Zivilisation haben noch keine Erfahrung mit Menschen gemacht und zeigen kaum Scheu. Neben den Tieren sind weite Teile der Tiefebenen bewaldet mit Taiga und von tausenden Flüssen durchtrennt. Es gibt viele undruchdringliche Sümpfe und in höheren Lagen Tundra. Ab 1000 Metern wächst kaum noch etwas und die Tundra geht schnell in karge Mondlandschaften der Vulkane über. Etwa 30 Vulkane auf Kamtschatka sind als aktiv eingestuft. Es gibt jedoch tausende erloschene Vulkane, die die gesamte Halbinsel prägen.

 

 

Eine gut ausgebaute Infrastruktur gibt es nicht. Nur in den größeren Ortschaften und in der Hauptstadt findet man ab und zu befestigte Straßen. Nicht umsonst sieht man fast nur Geländewagen und schwere Allradfahrzeuge in Kamtschatka. Ein Eisenbahnnetz sucht man vergeblich. Alles, was nicht per Allradfahrzeug erreichbar ist, wird mit Hubschraubern angeflogen oder mit Booten über Flüsse und das Meer erreicht. Die Winter sind sehr lang und hart, was ein Ausbau der Straßen auch fast unmöglich macht, da sie auf dem im Sommer auntauenden Permafrostboden zerreißen würden. Wer nun denkt, dass man bei den Trekkingtouren auf Wanderwegen unterwegs ist, wie man es aus fast allen anderen Nationalparks in der Welt kennt, der irrt sich. Im Kronotsky-Reservat gibt es kaum Wege und dann nur in der Nähe von Ranger-Stationen oder am Rand des Reservates. Weite Teile sind wegloses Gelände. Wenn man ab und zu einen Bärenpfad im Wald oder auf der Tundra finden, hat man es etwas bequemer zu laufen.

 

 

Auch wenn auf der Trekkingtour wenig Zeit zum fotografieren blieb, habe ich die Gelegenheiten genutzt, die sich boten, um die beeindruckenden Landschaften und die Tiere zu fotografieren. Schon allein das Gewicht machte es unmöglich, eine größere Fotoausrüstung mitzunehmen, da mein Rucksack mit der Trekkingausrüstung (Zelt, Kocher, Essen, Wasser, Kleidung und Outdoorausrüstung will ja getragen werden) etwa 22 kg auf die Wage brachte. Meine sorgfältig auf Gewichtsreduzierung zusammengestellte Fotoausrüstung lag zusätzlich bei 5 kg. Dabei hatte ich eine Nikon D750 und 8 Akkus (unterwegs gab es keinen Strom mehr, um Akkus zu laden), über 400 GB in Speicherkarten, ein AF-S Nikkor 80-400 mm G VR, ein AF-S Nikkor 18-35 mm G ED und ein AF Micro Nikkor 60 mm D. Ein kleines und sehr leichtes Stativ von SLIK kam glegentlich bei Landschaftsbildern zum Einsatz. Diese Kombination von Kamera und Objektiven stellte sich als sehr gut heraus! Mehr Brennweite als 400 mm war selten nötig, da viele Tiere, wie Füchse und Murmeltiere nicht sehr scheu sind und die Bären sehr friedlich waren und die Entfernung durch ihre Größe kompensieren konnten.

 

 

Auch diese Tour war wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Schon allein die Gegend ist nicht zu vergleichen mit anderen Orten. Vulkane bis 4750 m, Bären, weite Landschaften so weit das Auge reicht und die russische Gastfreundschaft machen diesen Flecken Erde sehr besonders. Für mich steht fest, ich muss dort wieder einmal hin!

 

 

Weitere Bilder sind in der Galerie Kamtschatka zu finden.

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Kommentare: 5
  • #1

    Holger Wagenbreth (Donnerstag, 07 Dezember 2017 21:39)

    Darf ich fragen mit welchem Touroperating du unterwegs warst und falls in einer Gruppe, welche Anzahl an Personen sie hatte.

  • #2

    Christian (Freitag, 08 Dezember 2017 17:12)

    Hallo Holger,
    die Reise war privat und über Freunde vor Ort organisiert. Unsere Gruppe bestand aus 10 Personen.
    Viele Grüße,
    Christian

  • #3

    Tobi (Montag, 02 April 2018 20:24)

    Sehr guter Bericht :-) hätte noch viel länger daran lesen können. Mal eine Frage zur Ausrüstung, ich selber fotografiere mit einer DX Ausrüstung ( Nikon D7200, verschiedene Objektive von 10mm bis 500mm Brennweite ) hättet ihr die Vorteile einer DX Kamera mit leichteren Objektiven aber ggf schlechterer Bildqualität in kauf genommen oder war Vollformat ein muss?
    Oder anders herum. Lohnt es sich für das Mehr an Bildqualität das Mehrgewicht und Packmaß und die höheren Kosten ( finanzielles Risiko ) in kauf zu nehmen und gab es Situationen die mit DX nicht gelungen wären ? z.B Nachts oder in der Dämmerung ?
    Grüße und weiter so,

    Tobi

  • #4

    Andreas (nature-and-light.de) (Donnerstag, 05 April 2018 07:30)

    Hallo Tobi,

    ich antworte mal für Christian ;) DX oder FX ist immer eine Frage, was man hauptsächlich Fotografieren möchte und welche Vorlieben man hat. Man kommt auch mit einer DX-Ausrüstung zu super Ergebnissen. Persönlich haben wir uns beide vor einigen für FX entschieden. Damals war das Rauschverhalten noch deutlich besser. Was uns immer wieder auffält, dass Vollformat im Vergleich zu kleineren Sensoren bzgl. der Farbwiedergabe und Plastizität der Bilder deutliche Vorteile hat. Das ist sicherlich Geschmackssache.
    Gerade im Bezug auf die Nachtfotografie oder in der Dämmerung kann FX deutlich die Vorteile ausspielen. Aber mit einer D500 wird man hier auch gute Ergebnisse erzielen können. Auf diesen Punkt kann Christian bestimmt noch besser eingehen ...
    Persönlich bin ich froh über Vollformat, da ich häufig mit Unschärfe spiele und auch das Rauschverhalten mir deutlich entgegen kommt. Wenn es leicht sein muss, dann nehme ich die Olympus MFT-Ausrüstung.

    Viele Grüße
    Andreas
    nature-and-light.de

  • #5

    Christian (nature-and-light.de) (Montag, 09 April 2018 17:01)

    Hallo Tobi,

    FX war für mich die erste Wahl, da ich auf jeden Fall auch die Möglichkeit haben will, Bilder in der Dämmerung und bei schlechten Lichtverhältnissen aufnehmen zu können. Ich habe bereits mit der D7200 und D500 fotografiert und bin von der Empfindlichkeit bei schlechtem Licht nicht überzeugt. Da die D750 die leichteste FX Kamera von Nikon ist, mach das Mehrgewicht am Ende nicht viel aus, was es mir auf jeden Fall wert war, es zu tragen!

    Viele Grüße,
    Christian