Ein Jahr mit der Olympus OM-D EM-1 & EM-5

von Andreas

Wer kennt es nicht, über die Jahre wird die Fotoausrüstung immer weiter ausgebaut. In diesem Fall werden sowohl die Kameras, als auch die Objektive immer größer. Mein persönlicher Werdegang bei Nikon sah so aus: Nikon D40x, Nikon D80, Nikon D300, Nikon D700. Mit dem Umstieg auf Vollformat taten sich neue Welten auf. Eine über alles erhabene Bildqualität in einem äußerst soliden Gehäuse. Aber diese schöne neue Welt, hat auch ihre Schattenseiten. Die Objektive für das Vollformat sind wesentlich größer und schwerer, als die Objektive für das APS-C System der D300. Insbesondere bei einfachen Wandertouren, bei Touren mit dem Fahrrad oder bei Veranstaltungen ist die Größe und das Gewicht der Objektive oftmals schlichtweg ein Problem. Mein Setup für die Touren mit leichtem Gepäck war dann häufig die D700 mit dem sagenhaft guten Nikon AF-S 1.8/50mm. Ich kann jedem diese Kombination nur empfehlen. Aber darum geht es hier nicht ;)

Waschbär :: 1/13s, F2.8, 150mm, ISO1600
Waschbär :: 1/13s, F2.8, 150mm, ISO1600

Der Weg zu Oylmpus ...

… oder mein Einstieg in die Welt der spiegellosen Systemkameras führte über die X-E1 von Fuji. Aber warum denn ein komplett anderes Kamerasystem und nicht eine APS-C Kamera von Nikon? Hier liegt die Antwort in meinen Augen klar auf der Hand. Nikon hat in den letzten Jahren die Entwicklung im Kamerasegment komplett verschlafen. Spiegellose Systemkameras waren in aller Munde. Einige der Vorteile lagen klar auf der Hand. Wesentlich leichter, da aufgrund der Bauart der Spiegelmechanismus entfallen kann. Weiterhin sind die Objektive häufig kompakter und leichter, da das Auflagemaß bei diesen Systemen verkürzt werden kann. Im Bereich Größe und Gewicht war ich sofort angetan vom Trend der spiegellosen Systemkameras. Als bekennender Nutzer einer DSLR, war ich allerdings beim Thema elektrischer Sucher skeptisch. Aber genau diese Skepsis ist mittlerweile zu einer wahren Begeisterung geworden. Aber dazu später mehr.

Nach einer ersten Recherche kamen für mich nur zwei Systeme in Frage. Zum einem war da das MFT-System mit den beiden Herstellern Olympus und Panasonic und zum anderen der Neuankömmling auf dem Kameramarkt Fuji mit der X-Series. Da ich anfangs mit dem Format 4:3 / 3:4 des MFT-Systems nichts anfangen konnte, habe ich mich für das System von Fuji entschieden. Das Internet war voll des Lobes von diesen Systemkameras. Also gab ich der Fuji X-E1 eine Chance mich ebenso zu überzeugen wie den Rest der Welt. Die anfängliche Euphorie ist dann aber relativ schnell der nüchternen Realität gewichen. Fluch und Segen des Systems war der sehr spezielle Bildsensor (X-Trans). Der von mir verwendete RAW-Konverter Adobe Lightroom konnte anfangs wenig bis nichts mit den Rohdaten der Kamera anfangen. Das Nachschärfen der Bilder war häufig eine ziemliche Herausforderung. Dazu kamen dann noch lila Strukturen in Schattenpartien. Diese beiden Punkte und das zwei befreundete Fotografen das System von Olympus nutzten führte schließlich dazu, dass ich mein Fuji System verkaufte.

 

Kurz darauf lieh ich mir von meinem Freund eine Olympus OM-D EM-1 (nachfolgend  werde ich nur noch von der EM-1 schreiben) mit dem Olympus 2.8/40-150mm aus. Bei einer Fototour nutze ich diese Kombination ausgiebig. Und war sofort begeistert. Der elektronische Sucher war noch besser, als bei der Fuji, die Auto-Fokus Geschwindigkeit und die Treffsicherheit waren überraschend gut. Die folgenden Fotos sind an diesem Abend entstanden. 

Kann der „kleine“ Bildsensor bei der Bildqualität mithalten?

Insbesondere im Bereich der Bildqualität hatte ich anfangs meine Bedenken. Kann das Rauschverhalten des kleinen Sensors in der EM-1 mich überzeugen? Ja es konnte mich überzeugen. Bis ISO1600 sind die Bilder eindeutig noch gut zu verwenden. Das Rauschen hat einen angenehmen Charakter. Viele sprechen hier von einem Film-ähnlichen Korn. Für einen Vergleich habe ich eine Bildserie mit verschiedenen Empfindlichkeitsstufen aufgenommen. Bitte auf die Bilder klicken, damit die Beschreibung mit der jeweiligen ISO-Empfindlichkeit zu sehen ist.

 

Was die Dynamik angeht, kann ich nur an die Angaben von DXOMARK verweisen. Da übertrumpft die EM-1 die D700, was ich auch in der Praxis bestätigen kann. Allerdings hat die D700 wiederum die Nase vorn, wenn es darum geht die Schattenpartien in Lightroom anzuheben.  Da hat die EM-1 eindeutig das Nachsehen. Detaillierter möchte ich an dieser Stelle nicht auf die Bildqualität eingehen. 

kleine kamera = schlechte Handhabung ?

Häufig wird man den Argument konfrontiert, dass nur die großen DSLR aus der Profiliga gut in der Hand liegen und eine ansprechende Bedienung bieten. Diesem Punkt muss ich eindeutig widersprechen. Durch den ausgeformten Handgriff der EM-1 liegt diese wunderbar in der Hand. Wer dann noch den Batteriegriff anschließt, bekommt eine Kamera die hervorragend in der Hand liegt – zumindest in meiner. Die nachfolgenden Bilder sollen dies noch verdeutlichen.

An dieser Stelle möchte ich meiner Freundin danken, die sich als Hand-Modell zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank.

 

Dennoch empfehle ich jedem der sich für eine neue Kamera interessiert diese einmal in die Hand zu nehmen. Jeder hat im Bezug auf die Ergonomie und Tastenanordnung andere Vorlieben. Ich habe persönlich eher kleine Hände und komme damit mit den großen Profi-Boliden (Canon 1DX oder Nikon D5) nicht klar. 

 

Für die Nutzung der Kamera auf einem Stativ empfehle ich jedem, die Verwendung eines L-Winkels mit Schwalbenschwanz-Profil (auch Arca-Swiss-Profil) genannt. Die L-Winkel der namenhaften Hersteller Really-Right-Stuff oder Markins sind ziemlich teuer, aber es gibt mittlerweile auch billigere Hersteller. Jedoch sind die Markenhersteller meistens innovativer und nutzen die leichteren Materialen. Da muss jeder die richtige Entscheidung für sich treffen.

Personalisierung: Fluch und segen

Beim ersten Studium des Menüs fällt einem ziemlich schnell auf, dass es sehr viele Möglichkeiten für eine Personalisierung der Kamera und der Belegung der Tasten gibt. Dabei kann man so ziemlich jede Taste anders belegen und sich somit seine persönliche Kamera konfigurieren. Das kann man fast so ausgiebig betreiben, dass man eine andere EM-1 quasi nicht bedienen kann. Was mir persönlich schon so gegangen ist ;)

Ein Bildstabilisator als Stativ-Ersatz?

Sicherlich ist diese Überschrift etwas provokativ, aber in gewisser Weise soll sie zum Nachdenken anregen. Die EM-1 verfügt über einen 5-Achsen Bildstabilisator, der alle ungewollten Kamerabewegungen kompensieren kann. Es können dabei vorwärts, rückwärts, aufwärts, abwärts und seitwärts Bewegungen stabilisiert werden. Je nach persönlichen Fähigkeiten die Kamera ruhig zu halten und den Gegebenheiten kann man von einem Gewinn von ca. 4 Blendenstufen ausgehen. Es sind mir schon einige Aufnahmen gelungen, die ohne Bildstabilisator nur mit Stativ realisierbar gewesen wären. Aber dennoch empfehle ich jedem den Einsatz eines Statives. Wenn die Kamera auf dem Stativ ruht, dann kann man sich genau die Zeit nehmen, die ein Motiv braucht. Insbesondere in der Landschafts- und Makrofotografie profitiert man deutlich von einem Stativ. Bei der Komposition des Bildes kann man sich dann auf alle Aspekte konzentrieren. Ragen Äste ins Bild, gibt es störende Farbverläufe im Hintergrund oder ähnliche Punkte lassen sich mit Stativ besser beurteilen. Das erste Bild des Artikels (Waschbär) und das nachfolgende Bild zeigen in meinen Augen deutlich die Leistungsfähigkeit des Bildstabilisators.

Bachlauf :: 0,6s, F4.0, 18mm, ISO800
Bachlauf :: 0,6s, F4.0, 18mm, ISO800

Der Waschbär wurde mit einer Belichtungszeit von 1/13s bei einer Brennweite von 150mm (300mm KB) aufgenommen. Das zweite Bild wurde mit 0,6s noch länger belichtet. Da ich kein Stativ dabei hatte und dennoch die Bewegung des Wassers darstellen wollte, habe ich solange die Belichtungszeit verlängert, bis ich keine scharfen Aufnahmen mehr hinbekommen habe. 

mein aktuelles Olympus Setup

Dank meiner Freunde, die mit einige Olympus Objektiven ausgestattet sind, konnte ich die verschiedenen Optiken vorher testen und mir mein persönliches Start-Setup „zusammenplanen“.  Das Gehäuse war mit der EM-1 gesetzt. Bei den Objektiven stand ich nun vor der Qual der Wahl. Aber eigentlich stand für mich von Anfang an fest, dass ich das Olympus 2.8/40-150mm haben wollte. Damit war das Tele-Zoom gesetzt. Nach verschiedenen Gesprächen und Lesen von Testberichten stand das Standard-Zoom auch schnell fest. Es ist das 2.8/12-40mm geworden. Mit diesem Kit bin ich nun auf die ersten Streifzüge gegangen.  

 

Da ich mit Freunden und meiner Freundin dieses Jahr einen Fotokurs machen möchte (den ich halte ;)), habe ich noch eine gebrauchte EM-5 gekauft. Ab und an begleitet mich die Kamera auch bei Fahrten auf dem Rad. 

 

 

Besonders auf den Touren bei denen ich nur leichtes Gepäck dabei habe, profitiere ich von den kompakten Ausmaßen der Kombination von EM-1 + 12-40mm + 40-150mm. Aktuell nutze ich dazu einen Mindshift rotation180° Panorama 22L. Dieser Rucksack passt einfach super zu Wander- und Fototouren, bei denen man nicht das komplette Equipment benötigt und mitnehmen möchte. Die herausnehmbare Hüfttasche ist wirklich klasse. Zu diesem Rucksack sollte ich einen eigenen Bericht schreiben, da ich wirklich von diesem Konzept überzeugt bin.

 

Nun aber zurück zur EM-1 und den ersten praktischen Erfahrungen. Eine der ersten Bewährungsproben war ein Kurzurlaub im bayrischen Fichtelgebirge. Zu diesem Zeitpunkt war ich nur mit der EM-1 und dem 12-40mm unterwegs. 

Ein weiteres Highlight des Jahres 2016 war die Umrundung des Hohenwarte Stausees in Thüringen zu Fuß. Auf den ca. 77km mit einigen Höhenmetern, war die EM-1 mit 12-40mm und dem 40-150mm stets  Einsatzbereit. So konnte ich einige Motive der landschaftlich tollen Umgebung festhalten. Insbesondere bei Wanderungen spielt die Kamera mit dem zuvor genannten Rucksack die vollen Stärken aus. 

Weiterhin hat mich die EM-1 nach Österreich und Portugal begleitet. Dies ist aber einen separaten Blogartikel wert. Daher folgen jetzt einige Fotos von Streifzügen durch die Natur. 

Fazit

Nun habe ich verschiedene Punkte angefügt, aber welche Eigenschaften der EM-1 haben mich denn wirklich überzeugt.

 

·      Zum einen das Klappdisplay mit dem jetzt auch Perspektiven möglich sind, die vorher nur mit Verrenkungen entstanden. Wer kennt es nicht, wenn man mal wieder im Stadtpark vor einem Frühblüher liegt und die vorbeilaufenden Passanten einen Fragen, ob denn alles gut sei. Mit dem Klappdisplay kann man jetzt Knien oder Hocken und reduziert damit etwas die teilweise nervigen Fragen.

·      Der elektronische Sucher hat mich wirklich über alle Maße überrascht. Da man sofort das fertige Bild sieht, habe ich den Ausschuss an falsch belichteten Bildern deutlich reduzieren können. Insbesondere auf Wanderungen oder im Urlaub, hat man so die Aufnahme schneller im Kasten und die Familie muss nicht so lange warten.

·      Neben dem elektronischen Sucher habe ich den Bildstabilisator schätzen gelernt. Insbesondere in Situationen mit wenig Licht, habe ich noch Aufnahmen machen können, die sonst nicht möglich gewesen wären. Und man kann ab und zu eben doch auf das Stativ verzichten.

·     Sowohl die Bildqualität der EM-1, als auch die optische Leistung der Pro-Objektive haben mich mehr als begeistert. Sowohl das Zuiko 2.8/12-40mm, als auch das Zuiko 2.8/40-150mm sind eindeutige Empfehlungen.

·     Gerade für Outdoor-Fotografen ist es wichtig, dass die Kamera und die Objektive Staub- und Spritzwassergeschützt sind. Die EM-1 ist dazu auch noch frostsicher bis -10°C.

·     Anfangs habe ich es als Spielerei abgetan, aber die Steuerung der Kamera per Smartphone APP ist ein Feature das man ab und zu gebrauchen kann. Im Urlaub habe ich damit schon die ersten Fotos auf das Smartphone laden können, um sie dann per Whats-App zu teilen.

 

 

 

Für mich hat sich der Schritt zur Olympus OM-D EM-1 gelohnt und ich bereue ihn nicht.

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