Tarnung :: Ein Erfolgsrezept zu guten Tierbildern

Von Christian

Als ich vor etwa 12 Jahren begann, mich für die Fotografie und vor allem Naturfotos zu interessieren, weiß ich noch gut, wie ich Bildbände von großen Naturfotografen, wie Fritz Pölking begeistert angeschaut habe. Diese Bilder waren damals für mich das Nonplusultra in der Naturfotografie. Schnell war mir bei meinen eigenen Fotoausflügen klar, dass ich solche Bilder nicht machen konnte. Allerdings wusste ich damals auch fast nichts über die Praxis der Naturfotografie und Herangehensweisen, um scheue Tiere erfolgreich zu fotografieren.

 

 

Eines der größten Probleme stellt in unseren Breiten die Scheu der Tiere und die große Fluchtdistanz dar. Seeadler haben beispielsweise in Sachsen meist eine Fluchtdistanz, die weit über 100 m liegt. Entweder hat man den Seeadler nur als kleinen Punkt im Bild, oder erwischt ihn gar nicht erst. Das Problem sind die sehr gut ausgeprägten Wahrnehmungssinne der Tiere. Oft sind das Gehör, der Sehsinn und der Geruchssinn deutlich besser ausgeprägt, als bei uns Menschen, so dass uns die meisten Wildtiere schön längst bemerkt haben, wenn wir noch nichts von ihnen mitbekommen haben. Doch dafür kann man Abhilfe schaffen und versuchen, sich unsichtbar für die Tiere zu machen.

 

Zuerst einmal ist es enorm wichtig, dass man sich auf die Motive vorbereitet, welche man fotografieren will. Dazu gehört eine ausgiebige Recherche zur Lebensweise und dem Verhalten der Tiere, um einerseits Störungen zu vermeiden, wenn beispielsweise der Nachwuchs aufgezogen wird und andererseits die Tiere auch an den Stellen aufzusuchen, wo die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass man sie zu sehen bekommt. Hat man eine geeignete Stelle gefunden, kann es an die Umsetzung gehen. Dabei ist jedoch auch wichtig, dass man sich in Naturschutzgebieten mit den zuständigen Leuten abspricht, im Wald auch mal den Revierförster informiert und ggf. vorher mit dem Teichwirt spricht, bevor man in seinem Teich ansitzt. Das erspart nachträglich ärger, führt oft zu hilfreichen Tipps und erleichtert am Ende auch die Verwendung der Bilder, falls man um eine Genehmigung beispielsweise für ein Naturschutzgebiet gebeten wird, um nachzuweisen, dass die Bilder nicht unter rechtswidrigen Umständen entstanden sind.

 

 

Nach der Vorbereitung zum Motiv kommt die Wahl einer Tarnung und die praktische Umsetzung vor Ort. Viele Tiere mit einem ausgeprägten Sehsinn nehmen jedoch hauptsächlich Bewegungen wahr. Einige wenige (hauptsächlich Karnivoren) nehmen auch sehr gut Farben wahr, die nicht natürlicherweise in die Umgebung gehören (beispielsweise die Farbe Rot). Je nach Motiv kann die einfachste Weise der Tarnung schon das bewegungslose Ausharren an einer Stelle sein. Das funktioniert ganz gut bei Rehen, Hasen, Wildschweinen und anderen Pflanzenfressern. Ein weiterer Schritt kann die Wahl der Kleidung sein. Lange Kleidung ist schon aufgrund der Tatsache, dass man sich so ein bisschen besser vor Zecken schützen kann, empfehlenswert. Eine gedeckte Farbe, wie Dunkelgrün oder Braun ist von Vorteil, da sie wenig auffällt. Helle kontrastreiche Bereiche, wie Gesicht und Hände sollten ein wenig bedeckt werden. Ein zweiter Punkt neben dem Sehsinn ist das Gehör. An dieser Stelle hilft es nur, sich ruhig zu verhalten und so wenig Geräusche zu verursachen, wie es möglich ist. Der wichtigste Punkt bei der Tarnung ist jedoch, nicht von den Tieren gerochen zu werden. Hier gibt es zwar einige wenige Angebote von geruchshemmender Kleidung, es geht aber in der Regel nichts über die Berücksichtigung der Windrichtung. Es gilt immer: Der Wind muss aus der Richtung des Motivs kommen, so dass der eigene menschliche Geruch auf keinen Fall zu dem Tier gelangt. Das ist vor allem bei allen Säugetieren wichtig, da allein schon der menschliche Geruch den Fluchtinstinkt auslösen kann. Es ist ebenfalls empfehlenswert, die Kleidung für die Fotoausflüge mit nicht parfümiertem Waschmittel zu waschen.

 

 

Für die visuelle Tarnung gibt es mehrere Möglichkeiten, die sich bei mir bereits bewährt haben. Sehr bekannt und verbreitet ist das Tarnzelt. Es eignet sich vor allem dann, wenn man von einem festen Standpunkt aus einen kleinen überschaubaren Bereich einsehen muss und die Tiere nicht zu empfindlich auf Veränderungen in ihren Revieren reagieren. Für die Vogelfotografie ist ein Tarnzelt eigentlich immer die erste Wahl, da Vögel relativ schnell Tarnzelte in ihrer Umgebung tolerieren, man sich im Zelt jedoch noch ein wenig bewegen kann, ohne dass die Bewegung nach außen zu sehen ist. Bei der Wahl eines Tarnzeltes ist es sehr wichtig, dass das Material blickdicht ist und bei Sonnenschein nicht durch die Zeltwände scheint, da die Tiere sonst die Umrisse von einem als Schatten im Zelt sehen würden. Nachteile hat ein Tarnzelt immer dann, wenn es zu groß ist, um es aufzubauen (beispielsweise im dichten Wald), wenn man ab und zu seine Position wechseln muss und wenn man einen großen Bereich überblicken muss. Auch bei Tieren wie Rotwild, Füchsen und Wölfen ist eher von Tarnzelten abzuraten, da sie sehr empfindlich auf kleine Veränderungen reagieren und ein kurzzeitig aufgestelltes Tarnzelt oft meiden.

 

Tarnzelt mit Öffnungen zu drei Seiten für das Objektiv und einem Einstieg auf der Rückseite, aufgestellt zwischen den Bäumen
Tarnzelt mit Öffnungen zu drei Seiten für das Objektiv und einem Einstieg auf der Rückseite, aufgestellt zwischen den Bäumen

 

Mehr Flexibilität bietet hier ein Tarnüberwurf. Er besteht aus einer großen Stoffplane, welcher ähnlich wie ein Poncho zugeschnitten ist. In dem Stoff befindet sich eine Öffnung für das Objektiv und ein Sichtfenster aus einem feinen Netzgewebe, um die Umgebung beobachten zu können. Der Tarneffekt ist vergleichbar gut mit einem Tarnzelt, man kommt jedoch mit viel weniger Platz aus und bleibt ein wenig flexibler. Der Nachteil eines Tarnüberwurfes liegt darin, dass jede Bewegung unter dem Überwurf nach außen hin sichtbar ist. Hier ist wirklich still sitzen angesagt! Ein Tarnüberwurf empfiehlt sich bei den meisten Säugetieren und einigen Vögeln. Ich konnte bereits mehrfach erfolgreich Eisvögel mit einem Tarnüberwurf fotografieren.

 

 

Maximale Flexibilität bietet ein Tarnanzug. Gewöhnlicherweise besteht so ein Anzug aus einer Hose, einer Jacke, Handschuhen und einer Kopfbedeckung oder einer Gesichtsmaske. Damit kann man sich frei fortbewegen und jederzeit an einer passenden Stelle wieder ausharren. Man hat eine sehr gute Rundumsicht und kann sich zusätzlich an natürliche Verstecke (hinter Baumstämme, an Sträucher, etc.) setzen. Neben der Flexibilität ist es auch von Vorteil, dass man mit einem Tarnanzug keinen Platz benötigt, um seine Tarnung aufzubauen. Aber auch hier gilt: Jede kleine Bewegung wird nach außen hin wahrgenommen.

 

 

Bei mir gehört der Tarnanzug zu den meist genutzten Tarnmitteln. Ich schätze die Flexibilität sehr und habe durchweg positive Erfahrungen damit gemacht, wenn man Säugetiere fotografieren will. Auch bei einigen Vogelarten hat sich der Anzug ebenfalls bewährt. Da der Tarnüberwurf ebenfalls kleine Bewegungen unter der Tarnung sichtbar werden lässt, kommt er nur selten zum Einsatz, da meistens der Tarnanzug den Pluspunkt der Flexibilität mit sich bringt. Das Tarnzelt bleibt eigentlich nur der Vogelfotografie vorenthalten. Die Vorlieben hängen aber immer von den eigenen Erfahrungen und den bevorzugten Motiven ab. Seit ich mich mit den Thema der Tarnung beschäftige, gelingen mir zunehmend Bilder, die vorher fast unmöglich waren.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Helmut Wehowsky (Montag, 08 Mai 2017 14:22)

    Hallo Christian,
    mit Interesse habe ich Deine Ausführungen zum Thema Tarnung gelesen. Du gibst uns viele hilfreiche Tipps uns in der Natur gewissermassen unsichtbar zu machen. Du hast einen Punkt allerdings nicht angesprochen. Das sind die klimatischen und sonstigen Umweltverhaeltnisse.
    Deine Ausführungen sind verständlicherweise auf Mitteleuropa zugeschnitten. Mich beschäftigt aber schon seit geraumer Zeit die Frage, wie tarne ich mich bei Aussentemperaturen von 30 Grad und darüber. Wie Du wahrscheinlich weisst, lebe ich über längere Zeiträume in Thailand. Bislang mussten alle Fotos ohne Tarnung gemacht werden. Tarnung wäre auch hier angesagt. Ich habe bisher keine Lösung gefunden. Es ist kaum vorstellbar, bei 30 Grad noch einen Tarnanzug überzuziehen. Ein weiteres Manko sind Mücken, allerdings auch in Europa, und giftige Tiere, wie Schlangen, Skorpione etc. , die die Bewegungen in der Natur stark einschränken können.
    Freundliche Grüsse
    Helmut

  • #2

    Christian (Montag, 08 Mai 2017 18:25)

    Hallo Helmut,
    die Ausführungen beziehen sich auf unsere Breiten. In anderen Weltregionen muss man nicht nur andere Tarnkleidung/Tarnmethoden nutzen, da ist auch oft das Fluchtverhalten der Tiere anders. Bei der Wärme hätte sicherlich ein Tarnzelt wieder mehr Vorteile. Es gibt aber auch sehr dünne Tarnanzüge, die keine Wärmeleistung haben. alternativ sind Tarnschals auch ganz nützlich und vielleicht in Thailand einen Versuch wert. Gegen Mücken hilft in erster Linie Gelassenheit und hierzulande lange Kleidung. Anderswo sollte man aber nicht am Mückenschutz sparen.
    Viele Grüße,
    Christian